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07.04. – 13.04.2019 Durchquerung des Nationalparks Gran Paradiso im Aostatal

Die Durchquerung des Nationalparks Gran Paradiso, eine Klasseskitour für sich. Kann man denn diese Tour mit der wohl bekanntesten und klassischen “Haute Route” vergleichen? Naja, im vergleich zu dieser findet man hier weniger Gletscherflächen dafür aber auch einsamere Gipfel – mit Ausnahme im Gebiet des Gran Paradiso und die Tagesetappen sind grundsätzlich etwas länger.

Wir beginnen unsere Durchquerung im “Valle de Cogne” oder genauer im “Valnontey” auf 1666m. Dieses Tal ist ein Seitental das vom Hauptal bei der kleinen Ortschaft “Cogne” Richtung Südwesten abzweigt. Die erste Hütte auf die wir aufsteigen nennt sich Rif. V. Sella, 2584m. Sie liegt auf einer sehr schönen Kerbtal Hochfläche im “T. Gran Lauson”. Dieser Bach fasst alle Abflüsse der großen Gletscher wie den “Gh. del Trajo”, “Gh. di Raves Noir”, “Gh. del Tuf”, “Gh. del Lauson” und den “Gh. del Gan Val”.

Der erste Teil unserer Route führt uns über den “Gh. del Lauson”. Landschaftlich sehr beeindruckend in den ersten Morgenstunden. Über eine Steilflanke gelangen wir auf den “Gh. del Gran Val” den wir in Aufstiegsrichtung querend überwinden. Das letzte Stück auf die “Gran Serra, 3552m” müssen wir die Ski am Rucksack trangen um über leichtes Blockgelände auf den ausgesetzten Gipfel zu gelangen. Der erste Gipfel ist bei besten Westalpenwetter geschafft!

Eine rassige Abseilfahrt vom Gipfel bringt uns auf den Timoriongletscher, den wir unverspurt vorfinden. Was für ein Traum!! Bis zu einem halben Meter Neuschnee und alles super Pulver. Als ich zum ersten Schwung los fahren wollte blieb ich regelrecht im tiefen Schnee stecken. Naja hier wäre ich um meine absoluten Lieblingsski von Vökl dem BMT 109 froh gewesen. 

Eigentlich könnte man auf denTimoriongletscher auf einer Höhe von 3107m verlassen um auf den hinter einer Felsrippe und tiefer liegenden Gletscher “Gran Neyron orientale” zu gelangen. Doch der super Pulverschnee und die perfekte Neigung verleiteten uns , dass wir bis auf eine Höhe von 2702m abfuhren. Vor dem nächsten Aufstieg machten wir hier zunächst einmal eine gemütliche Pause. Die war dringend nötig, hatten wir doch im Gipfelbereich einwenig Stress um die erste Spur in den Schnee zu ziehen.

Nach harter Spurarbeit über den Gletscher “Gran Neyron occid”. wurde es in der steilen Flanke hinauf zum “Colli Gran Neyron” wieder spannend. Immer wieder die Schneedecke prüfend und mit großen Entlastungsabständen zwischen uns gelangten wir auf den ausgesetzen Grat der zum “Biv. Sperna” hinüber führt. Ab hier gehts nur mehr bergab zu unserer zweiten Unterkunft dem “Rif. F. Chabod, 2750m”.

Am nächsten Tag waren wir hier auf der “Große Etappe” auf den Gran Paradiso nicht alleine. Zu beliebt ist dieses Ziel im Sommer wie auch im Winter! Der Berg ist einfach zu schön um nicht bestiegen zu werden. Es kostet aber viel Energie Seilschaften, ja Seilschaften auf dem zerklüfteten Glescher “Laveciau” die langsamer unterwegs sind zu überholen. Die Belohnung, der aussichtsreiche und Formschöne Gipfel des “Gran Paradiso, 4061m” mit einer strahlend weissen Madonna auf seiner felsigen Spitze. Aber auch hier kann man selten die Ruhe genießen.

Nach einer über 2000hmt langen Abfahrt mit wechselnden Schneeverhältnissen gelangen wir nach Pont, 1960m im schönen “Valsaverenche”. Hier endet auch die öffentliche Straße die von “Villeneuve”, einem Örtchen aus dem Aostatal hochführt. Hier gibt es gerade einmal einen Campingplatz, einen Mini Supermarkt und ein Albergo in dem wir nächtigen werden. Auf der Sonnenterasse des Albergo Gran Paradiso war es am Nachmittag sehr gemütlich und wir konnten sich von den Strapazen der letzen Tage gut erholen.

Am nächsten Tag starteten wir unsere nächste Etappe zu Fuß, also mit den Tourenski auf dem Rücken. Der nach südosten exponierte Weg war schon gut apper und verhinderte zunächst einen Aufstieg mit Skieren. Auf einer nicht fertig gebauten Passstraße gelangt man ins “Valle delle Meyes”. Ein wunderschönes groflächiges Hochplateau mit Aussicht auf den Gran Paradiso. Hier hat man eher bessere Chancen auf ein Gruppe Steinböcke als auf andere Tourengeher zu treffen. Über große, schneebedeckte Moränenlandschaften und dem gleichmäßigen Gletscher “Percia” gelagen wir auf die “Cima di Entrelor, 3430m. Herrlich der Ausblick! Ich freue mich bereits auf die nach Westen exponierte Abfahrt die sehr gute Schneeverhältnisse verspricht. In besten Pulverschnee staubts am schönsten hinunter ins “Vallone di Entrelor”. Auf der Höhe 2142m der “Alpages d´Entrelor” wechselten die Verhältnisse von super schön auf naja okay auch ganz gut.

Die Nächtigung im Hotel “Granta Parey” im “Valle di Rhemes” war wieder einmal einen Besuch wert. Die Zimmer sind zwar einfach, aber das Abendmenü und das Frühstück dafür Tip-Top und im Preis Leistungsbereich alles andere als nur gut! Sogar der Transfer bis zum Talschluss immerhin einige Kilometer, ist im Preis inbegriffen.

Von “Thumel” aus wo sich der Talschluss des “Valle di Rhemes” befindet sind wir wieder auf unsere Tourenski umgestiegen. Entlang der “F. Dora di Rhemes” dem markanten und tief eingeschnittenen Bachbett gehts bis zur unscheinbaren Abzweigung die ins “Vallone della Gran Vaudala” führt. Vorbei an der “Punta Paletta, 3024m” den Steilhang bis zum Grat hoch der auf die “Gran Vaudala” reicht. Hier waren wir dann auf einer Linie die wir nicht verfehlen konnten und das war gut, denn das Wetter zeigte sich nicht von der feinsten Seite. Die Berggipfel verhüllten sich in dichte Wolken und die Sichtverhältnisse änderten sich drastisch. Doch am Grat entlang erreichten wir sicher den Gipfel. Die Abfahrt gestaltete sich bei dieser Sicht schwierig obwohl die Schneeverhältnisse höher oben gut waren, etwas tiefer wurde die Sicht zwar besser, doch die Schneeverhältnisse nun schlechter.

Die “Benevolohütte, 2285m” war als wir diese erreichten bereits gerammelt voll. Naja es ist ja ein sehr schönes Skitourengebiet wo sich diese Hütte als Stützpunkt gut eignet. Dies alleine schon wäre eine Reise wert, so toll sind die Tourenmöglichkeiten die man hier findet.

Die Nacht war nicht so schlimm als erwartet und unsere Reise durch den Nationalpark geht gut erholt weiter. Zuerst erwartete uns der steile Aufstieg hinauf auf die Hochfläche der “Dora de Goletta”. Da wir bei guter Laune waren und die Schneeverhältnisse top, machten wir noch einen zusätzlichen Umweg um eine Abfahrt mehr zu genießen. Rauf über den “Golettagletscher” zum “Col de Goletta” um von hier über geniale Pulverhänge zum “Lago de Golette” abzufahren zu können. Am gefrorenen Lago angekommen genossen wir die Idylle dieser einzigartigen Gebirgslandschaft. Das eigentliche Ziel des Tages sollte aber die “Gran Traversiere, 3496m” sein. Von schlechten und schwierigen Verhältnissen erzählte mir der Hüttenwirt und zugleich Lokal Guide der Benevolohütte am Vorabend. Also besprachen wir kurzerhand die Lage und entschieden uns für die Alternativtour auf die “Becca della Traversiere, 3337m”, dem gegenüber liegenden kleinen Bruder der “Gran Traversiere”. Auch sehr schön und noch schöner seine Pulverabfahrt hinab zum “Rif. M. Bezzi, 2284m”.

Die Tage vergehen so schnell wenn das Wetter einigermaßen mitspielt und in unserem Fall noch schneller, denn wir haben wieder einmal strahlenden Sonnenschein als wir unsere Felle auf die Skier befestigten. Wenn auch klirrend kalt ist diese Etappe wunderschön. Wir ziehen unsere Spuren in die scheinbar unberührte Winterlandschaft. Doch der Schein trügt einwenig, denn wir befinden uns hier bereits an der Nationalparkgrenze. Plötzlich wird die Stille von dem markanten Geräusch eines Hubschraubers der “Heliskier” auf dem Gipfel der “Becca di Giasson” absetzt unterbrochen. Auf der einen Seite ganz interessant diesen bei der Landung zuzusehen, auf der anderen Seite einfach nur störend.

Unsere letzte Skiabfahrt über die weiten Flächen des “Giassongletscher” hinab zum “Lago di Beauregard” können wir dennoch in vollen Zügen und weiten Turns genießen. In der kleinen Ortschaft “Bonne” die auf ca. 1600m liegt und sich im letzten Tal dem “Valgrisenche” befindet endet unsere lange Tour mit tollen und prägenden Eindrücken bei einem Kaffee und Kuchen.